Jahresrückblick 2014 – Die Angerer

Wir haben die Katastrophe gemeistert und wollen die Zukunft als lebenswerter Stadtteil gestalten!

Der Blick zurück, auf das vergangene Jahr am Anger und noch weiter in das Jahr 2013 hinein, dieser Blick ist schon ein Mut machender. Mut machend deshalb, weil er uns zeigt, dass wir Angerer eine schier ausweglose Situation gemeistert haben und unsere Zukunft dort jetzt eine hoffnungsvolle ist. Frei von Resignation und Hilflosigkeit der vergangenen Jahrzehnte.

Es sind dabei hauptsächlich zwei Bilder aus den ersten Junitagen 2013, die symbolträchtig das Schicksal, aber auch die Zukunft des Angers zeichnen.

Das Eine – Harry Kopfmann, das Urgestein vom Anger, sitzt vor seinem Haus inmitten der Trümmer, die ihn einmal sein ganzes Leben begleitet hatten und wohl auch bedeuteten: Schlammverkrustete, uralte Radios, Werkzeug, Funkgeräte und Fernseher stapeln sich. Und um ihn herum ein kleines Grüppchen – Menschen, die sich nach Jahrzehnten wieder sehen. Jetzt, in der puren Not treffen sie sich wieder. Alte Freunde, deren Häuser die Fluten des Hochwassers verwüstet haben.

Das andere Bild: Kaum ist das schlammige Wasser weg, wird angepackt, zerstörte Einrichtung am Anger gestapelt, die Menschen aus den Häusern haben die Ärmel hochgekrempelt. Und die ersten Gespräche haben nur ein Thema: Wie kann der Anger überleben?

Alle hatten wir dazu Ideen, ein jeder hatte sich darüber längst Gedanken gemacht. Und es war Harry Kopfmann, der bei unserem ersten Treffen im Hacklberger Biergarten unserer kleinen Gemeinschaft den Namen gab: Die Angerer.

Wir haben dann unsere Ängste, Nöte, Wünsche und Ideen um den Anger sortiert und formuliert. Schon im Oktober haben wir dann uns und unsere Gedanken vorgestellt.

Das war auch die Grundlage für unser erstes Gespräch mit dem Oberbürgermeister unserer Stadt. Ein Treffen, das zeigte, wie wir ernst genommen worden waren: OB Dupper hatte drei Referenten dabei, um uns die Sicht der Stadt auf den Anger zu erklären.

Aus der Vielzahl dieser Sichtweisen ist eine ganz besonders in Erinnerung: Auf die unerträgliche Verkehrssituation vor unseren Haustüren angesprochen, sagte der OB: Er müsse uns zu seinem Bedauern mitteilen, dass sich da wohl nichts ändern könnte.

Vielleicht waren diese Sätze die Initialzündung, die Herausforderung. Denn wir wussten, dass diese vierspurige Autobahn am Anger den unweigerlichen Niedergang dieses historischen Stadtteils bedeutete. Erinnern wir uns: Prof. Greipl und seine Frau hatten diese Befürchtungen da schon längst formuliert und untermauert. Das stärkte uns den Rücken, dieses Ungetüm in Frage zu stellen.

Und dann kam uns noch ein Missverständnis zu Hilfe: Die heftige „Tempo 30“-Diskussion. Dabei hatten wir das gar nicht gefordert, wir wünschten uns zaghaft Tempo 40, nächtens. Wie sind sie dann über uns hergefallen – ein ganz Nassforscher, dessen Partei inzwischen kaum mehr wahrgenommen wird, spekulierte sogar über Tempo 70 am Anger.

Seien wir ehrlich, das hat uns erst recht auf die Barrikaden getrieben. Wir haben ausgeteilt und eingesteckt. Aber, wir „paar Hanseln“, wie wir verspottet wurden, waren plötzlich eine Gemeinschaft mit Selbstbewusstsein und Stehvermögen. Hinzu kamen immer mehr eindrucksvoller Sachverstand und zukunftsträchtige Ideen. Zwei Beispiele verdeutlichen das:

–          Werner Swobodnik hat beim Thema Lärm und Verkehr unserem Anliegen unschätzbar Verdienstvolles geleistet – unsere Forderungen wurden damit eindrucksvoll sachlich untermauert und unwiderlegbar.

–          Werner Wagner hat das Undenkbare gedacht – die „Anger-Einhausung“ ist wie der Gordische Knoten, so würden sich mit einem Schlag viele Probleme am Anger lösen lassen und die Stadt bekäme einen völlig neuen, attraktiven Stadtteil quasi im Vorgarten.

Wir sollten die Politiker nicht aus der Verantwortung lassen, hatte uns Prof. Greipl im Firmiangut ermahnt. Am selben Ort erlebten wir ein paar Monate später einen erfreulichen Schulterschluß – mit den Bürgerinitiativen von der Altstadt und Innstadt, unsere Freunde aus der Ilzstadt taten sich da erstmals zusammen.

Und gemeinsam machten wir dann an diesem Abend den Schritt, der dann auch dazu beigetragen hat, dass der für uns so wichtige Georgsbergtunnel schließlich doch noch in den Bundesverkehrswegeplan nachgemeldet wurde: Wir Bürgerinitiativen konnten im Landtag persönlich beim zuständigen Verkehrsstaatssekretär dafür werben und die Passauer Abgeordneten saßen zustimmend am Tisch.

Mit dem Bundestagsabgeordneten Christian Flisek haben wir Bürgerinitiativen nun auch einen gewichtigen Befürworter des Projekts Georgsbergtunnel. Auf seine Initiative hin: Der Besuch des Vorsitzenden des Bundestagsverkehrsausschusses in Passau – das war wichtige Überzeugungsarbeit. Genauso wie unser gemeinsamer Termin im staatlichen Bauamt.

Wenn wir dann den „Sorgenspaziergang“ mit dem Oberbürgermeister am Anger Revue passieren lassen, wird klar: Spätestens da waren alle Beteiligten dort angekommen, wo sie hinwollten: In offener, verständnisvoller Atmosphäre die Probleme besprechen und anpacken. Kein Zweifel, unsere sachlichen Darlegungen waren überzeugend.

Natürlich sind die Ergebnisse erst mal kleine Schritte, aber rund 80.000 Euro für die Verschönerung am Anger sind für die Stadt viel Geld. Und für uns ein deutliches Zeichen, dass man unsere Nöte versteht. Aber was vielleicht noch wichtiger ist, wie aufmerksam und interessiert OB Dupper uns zuhörte, als wir über den Georgsbergtunnel und die Anger-Einhausung sprachen. Und das haben wir noch bei anderen Gelegenheiten beobachten können, wie geradezu selbstverständlich OB Dupper den Tunnel und unsere Zukunftsvision einfließen lässt.

Allerdings, dass wir für das zuständige Wasserwirtschaftsamt beim Hochwasserschutz nur ein Kosten-Nutzen-Faktor sind, das ist deprimierend. Denn die aktuelle Machbarkeitsstudie hat zweifelsfrei ergeben, dass dieser Schutz technisch machbar ist. Da haben wir in den nächsten Monaten bei den „Aktiven Angerern“ genug zu tun, um die Politik und Öffentlichkeit zu mobilisieren.

Mit den „Aktiven Angerern“, den künftig monatlichen Treffen im Alten Bräuhaus, haben wir jetzt ein Instrument geschaffen, das unsere Aktivitäten bündelt und schlagkräftiger macht. Diese Treffen werden nun die bisherigen Arbeitskreise ablösen.

Wenn wir die Bilanz des vergangenen Jahres ziehen, dann haben wir unsere Hausaufgaben gemacht, der Anger hat jetzt eine Stimme. Und – der Anger, seine Probleme und die Chancen daraus für die Stadt, sind in den Köpfen Passaus verankert.

Darüber können wir mehr als zufrieden sein, da dürfen wir ruhig stolz sein: Unsere Ideen und Visionen könnten für den Anger und die gesamte Stadt ganz neue Perspektiven eröffnen. Wir würden Passau damit etwas zurück geben, was uns mit Autobahn und Kahlschlag genommen wurde – eine Zukunft, in einem lebenswerten Stadtteil.

Von Max Moosbauer

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