Hochwasserschutz für den Anger ist machbar aber nicht wirtschaftlich

Angerstraße beim Hochwasser 2013 (c) W. Wagner

Angerstraße beim Hochwasser 2013 (c) W. Wagner

Stellungnahme der Angerer zum Hochwassergipfel am 10.12.2014 in Passau

Eine Entscheidung am grünen Tisch, für das wir beim besten Willen kein Verständnis aufbringen können – das ist die erste Reaktion der Bürgerinitiative „Die Angerer“ zu dem Ergebnis der Hochwasserschutz-Machbarkeitsstudie 2014, die gestern beim Hochwasser-Forum im Rathaus vorgestellt wurde. Darin entscheidet das Wasserwirtschaftsamt Deggendorf, dass es einen wirksamen Hochwasserschutz für den Anger nicht geben wird!

„Es ist doch geradezu grotesk, dass zwar die technische Möglichkeit eindeutig bejaht wird, aber ausschließlich ein wirtschaftlicher Kosten-Nutzen-Faktor darüber entscheidet, ob dieser historische Stadtteil das nächste Hochwasser überlebt, oder nicht,“ sagt Angerer-Sprecher Max Moosbauer. „Der Anger ist einer der ältesten Stadteile Passaus, gehört zum denkmalgeschützten Altstadt-Ensemble – warum wird dieser Faktor nicht in die Überlegungen mit einbezogen? Wenn es um den Erhalt unserer Häuser geht, entscheidet das Landesdenkmalamt bei jeder Fenstersprosse an unseren Häusern mit – Gottseidank, denn das macht Sinn. Aber wenn es um den Schutz unserer Häuser geht, dann senken nur Ingenieure die Daumen?“

Der Anger gehört mit zu den schwerst hochwassergeschädigten Ortsteilen, noch heute kämpfen zahlreiche Hausbesitzer mit den Folgen der Katastrophe, die letzten Schäden werden erst Mitte des nächsten Jahres vollständig beseitigt sein. „Viele unserer Angerer müssen Eigenmittel im fast sechsstelligen Bereich aufwenden. Noch einmal so eine Katastrophe zu schultern – das werden die meisten von ihnen nicht mehr stemmen können,“ sagt Moosbauer. Das bedeutet in naher Zukunft dann den endgültigen Niedergang dieser Häuserzeile an der Donau – weitaus früher, als von Stadtrat Prof. Greipl ohnehin prognostiziert, wenn es keine entscheidenden Maßnahmen für den Anger gibt.

Denn dass die Befürchtungen der Angerer keine Hirngespinste sind, das machte ja gerade der aufrüttelnde Vortrag der Klimaforscherin Kromp-Kolb bei diesem Forum überdeutlich – ja, wir haben in Zukunft vermehrt mit diesen Extrem-Hochwassern zu kämpfen! Das war ihre eindeutige Aussage.

Moosbauer weiter: „ Dass solche Entscheidungen nach einem ausschließlich wirtschaftliche Raster gefällt werden und die Anliegen der betroffenen Bürger weder berücksichtig werden, geschweige denn, dass sie dazu gehört werden, das ist einfach unglaublich. Die Stadt Passau zahlt immerhin von den ca. 20 Millionen, die künftig für den Hochwasserschutz ausgegeben werden, die Hälfte. Das sind auch unsere Steuergelder!“

Und davon gibt die Stadt demnächst für den Anger rund 80.000 Euro aus – ein ermutigendes Signal und eine Dimension, die wir so nicht erwartet haben. Umso deprimierender ist dann die Botschaft der Bürokraten, für die der Anger nur ein Kostenfaktor ist.

Deshalb werden die Angerer umgehend mit der Stadt und den Abgeordneten dieser Stadt sprechen, um diese Entscheidung vom Tisch zu bekommen.

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