Wasserwirtschaftsamt liefert die Ilzstadt dem Hochwasser aus!

Freyunger Straße am 4.6.2014

Freyunger Straße am 4.6.2014

Unsere Stellungnahme zum Hochwassergipfel am 10.12.2014

„Nicht realisierbar“, hieß es beim Hochwasser-Gipfel von Seiten des Wasserwirtschaftsamts zu einem möglichen Hochwasserschutz in der Ilzstadt. Offenbar, weil die Häuser in der Freyunger Straße nach Ansicht der Behörde zu wenig wert seien, um in der Kostenberechnungsmethode in die realisierbare Kategorie zu kommen. Für den ohnehin vom Verkehr geplagten Stadtteil ein herber Rückschlag!

Natürlich ist für einen möglichen Hochwasserschutz eine Kosten-Nutzen-Abwägung grundsätzlich eine vernünftige Methode. Allerdings, in unserem Fall sind die dafür herangezogenen Faktoren absurd. So werden die Kosten für die Realisierung eines Hochwasserschutzes berechnet und mit der Schadensumme verglichen, die bei einem Hochwasser an den betroffenen Gebäuden entsteht. Ist die Schadenshöhe zu gering, gibt’s keinen Hochwasserschutz.

Nachdem es nun erstmalig ordentliche staatliche Subventionen für die Beseitigung der Hochwasserschäden gibt, haben viele Eigentümer in der Ilzstadt aufwendig ihre Gebäude saniert, um wieder darin wohnen zu können. Unsere Befürchtung: Beim nächsten Hochwasser entstehen wieder Schäden in diesem Ausmaß – kann dann auch noch eine Hochwasserhilfe in dieser Größenordnung erwartet werden? Wir kennen niemanden, der diese Frage bejaht hätte.

Grund genug, die Kosten-Nutzen-Abwägung des Wasserwirtschaftsamts in Frage zu stellen. Hinzu kommt, dass es augenscheinlich nur um Kosten geht. Menschliches Leid, Angst, Hoffnungslosigkeit und die wirtschaftliche Situation der Anwohner werden in keiner Weise in die Analyse miteinbezogen. Auch die historische Bedeutung und Denkmalschutz spielen keine Rolle.

„Wir sprechen in der Freyunger Straße oder am Anger nicht von unrealisierbaren Maßnahmen, sondern von einer reinen Kosten-Nutzen-Abwägung, die so nicht hingenommen werden kann“, meint der Sprecher der Ilzstadt-Initiative, Franz de Reuver. „Wir haben hier bereits eine ‚hochwassersichere Autobahn‘ vor unserer Nase, die uns die Wohnqualität schon genügend zerstört hat, die wir aber hinnehmen, um hochwasserfrei zu sein. Und jetzt kommt von der zuständigen Behörde eine weitere Abwertung, weil unsere Immobilien es nicht wert sind, sie zu schützen!“

Für die Eigentümer und Bewohner der Freyunger Straße ist die Nachricht nicht nur deprimierend und traurig, auch die Möglichkeit einer nachhaltigen Aufwertung ihres Stadtteils wird zunichte gemacht. „Wer investiert schon in Hochwasserlagen, und vor allem dann, wenn man weiß, dass die Ämter einen im Stich lassen“, kommentiert Philipp Schröder von der Freyunger Straße, der Mitglied der Bürgerinitiative ist. „Gerade die Freyunger Straße könnte einen sicheren und einfach herzustellenden Hochwasserschutz bekommen, da es dafür, wie auch am Anger, lediglich Aufbauelemente an die vorhandene Spundmauer bräuchte.“

Die Ilzstadt hat mit ganz ähnlichen Problemen wie der Anger zu kämpfen und auch die Entwicklung der letzten 50 Jahre gleicht dem wie ein Ei dem anderen: So wurden in den 60er, 70er Jahren an der Obernzeller Straße rund 40 Häuser abgerissen und die dortigen Bewohner umgesiedelt. Die Bundesstraße wurde vierspurig ausgebaut, dadurch hat dieser Stadtteil einen damals auch einigermaßen ausreichenden Hochwasserschutz erhalten.

Aber, mit der ausgebauten Bundesstraße trat anschließend der Verfall der Ilzstadt ein, denn das stetig gestiegene Verkehrsaufkommen sowie die nicht vorhandenen Parkplätze für die ansässigen Geschäfte haben alle ehemaligen Läden zerstört. Verweilzonen oder Plätze mit Aufenthaltsqualität waren in den damaligen Planungen erst gar nicht berücksichtigt. „Nicht nur die viel zitierten zahlreichen Wirtshäuser und Schänken verschwanden, sondern auch die Lebensmittelgeschäfte, Einzelhändler, Kioske und seit 2014 auch noch die Apotheke,“ sagt Ilzstadt-Sprecher Franz de Reuver „Heute muss man ins Auto oder in den Bus steigen, um Einzukaufen oder Sachen zu erledigen, weil es hier nichts mehr gibt.“

Mit der Entscheidung des Wasserwirtschaftsamts, weitere Planungen zum Hochwasserschutz nicht mehr zu verfolgen, da es aus seiner Sicht wirtschaftlich nicht tragbar ist, nimmt die Behörde den betroffenen Anwohnern und Eigentümern in diesem Stadtteil jeglichen Mut, dort in diesen geschichtsträchtigen Häuserzeilen noch leben zu können und zu wollen. Sie nimmt ihnen auch den Sinn, hier zu investieren oder irgendwas daraus zu machen.

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