Lärmbelastung und Lärmschutz

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Lärmbelastungskataster für Passau (Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt)

„Lärm ist jede Art von Schall, der stört, belästigt oder die Gesundheit beeinträchtigen kann.“ (WHO, 1972)

Rechtliche Grundlagen

Die rechtlichen Grundlagen in Bezug auf Straßenlärm finden sich auf EU-Ebene in der 2002 erlassenen Umgebungslärmrichtlinie, umgesetzt von der Bundesregierung 2005 durch das „Gesetz zur Umsetzung der EG Richtlinie über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm“. Grenzwerte oder Zielwerte für die zu erreichende Lärmminderbelastung wurden allerdings bisher von der Bundesregierung nicht festgelegt.

Die Lärmsanierung an Bundesfernstraßen in der Baulast des Bundes (Angerstraße) wird so nur erwogen, wenn der Beurteilungspegel die Auslösewerte für die Lärmsanierung überschreitet.

Unsere Messungen

Sowohl unsere am Straßenrand gemessenen maximalen Schalldruckpegel (80-100 dB(A)) als auch die vom VCD über einen Zeitraum von 24 Stunden bestimmten Mittelungspegel liegen mit 75,3 dB(A) tags und 67,9 dB(A) nachts deutlich über den Grenzwerten für sogenannte Mischgebiete wie dem Anger von 69 dB(A) tags und 59 dB(A) nachts.

Diese Pegel können von uns für weitere Gespräche mit der Stadt Passau herangezogen werden. Jede(r) Betroffene hat das Recht bei Überschreitung der Auslösewerte, im Rahmen der Lärmaktionsplanung, Maßnahmen zum Lärmschutz bei der zuständigen Behörde zu beantragen. Aktiver Schallschutz (Maßnahmen an der Lärmquelle wie Straßenbelag und der Schallausbreitung wie Schallschutzwände, Einhausungen, Tunnel) hat dabei Vorrang vor passivem Lärmschutz (Maßnahmen am Immissionsort wie z. B. Schallschutzfenster).

Aktiver Schallschutz

Bereits ab rund 40 km/h bei heutigen PKW und rund 60 km/h bei heutigen LKW dominieren – abhängig von Reifenbeschaffenheit und Fahrbahnbelag – die Rollgeräusche die Antriebsgeräusche. Leisere Fahrzeuge und Reifen wirken erst dann lärmmindernd, wenn die Mehrheit (> 90%) der Fahrzeuge und Reifen ersetzt wurde. Im Gegensatz dazu wirken leisere Fahrbahndecken bereits unmittelbar nach dem Einbau an den betroffenen Immissionsorten lärmmindernd.

Durch die Verwendung zweischichtiger offenporiger Asphalte kann die Lärmbelastung um bis zu rund 8 dB(A) gegenüber dem Referenzbelag vermindert werden (Beispiel: B 17 bei Augsburg > – 7 dB bei PKW und – 6 dB bei LKW). Es bildet sich ein nur geringer Wasserfilm an der Fahrbahnoberfläche, wodurch zusätzlich die Gefahr von Aquaplaning, Sprühfahnenbildung und Blendwirkung verringert werden. Auch andere lärmarme Straßendecken können die Lärmbelastung um bis zu 5 dB(A) mindern.

Schallschutzwände

Feste Hindernisse wie Schallschutzwände behindern ebenso die Ausbreitung des Schalls. Analog zu den Schallschutzmaßnahmen der Bahn könnte deshalb die Errichtung von Schallschutzwänden am Anger erwogen werden. Die lärmmindernde Wirkung beträgt zwischen 5 und 15 dB(A), im Mittel rund 10 dB(A). Bei der Planung und dem Aufbau der Wände sollten die Empfehlungen für die Gestaltung von Lärmschutzanlagen an Straßen beachtet werden. So sind etwa Schallschutzwände aus durchsichtigem Sicherheitsglas aus Gründen des Anwohner- und Denkmalschutzes an der Angerstraße denkbar.

Lärmminderung durch Einhausung

Mit der Einhausung der Angerstrasse durch Führung im Tunnel nach Tieferlegung der Fahrbahn (ähnlich der B 11 in Deggendorf) könnte ein großer Teil des Straßen- und Verkehrslärms vermieden werden. Die Lärmminderung dürfte sich in der Größenordnung von rund 30 dB(A) bewegen. Positiv zu bewerten sind die Synergieeffekte auf Hochwasserschutz und Stadtentwicklung (Nutzung der Tunneldecke als verkehrsberuhigte Zone für Anwohner und Touristen). Derzeit sehen wir Vorteile für diese Lösung, da auch die Belange der Geschwindigkeit der passierenden Autofahrer und der Geschäftsleute der Stadt Passau damit berücksichtigt werden können.

Lärmminderung durch Verkehrsumleitung

Eine langfristig realisierbare Maßnahme zur Lärmminderung durch Verkehrsumleitung wird derzeit anhand der Initiative zur Erstellung des Georgsbergtunnels geprüft, der den Teil des aus Salzweg und Umgebung kommenden Verkehrs von Anger (und Ilzstadt / Freyunger Straße) fernhalten könnte. Eine weiträumige Umleitung des Verkehrs ermöglicht eine weiträumige Verlegung der verbleibenden Fahrbahnstreifen. Dadurch werden zusätzlich weniger Lärm an den Häusern und eine städtebauliche Aufwertung des Angers für das Stadtbild möglich.

Neben diesen mittel- und langfristigen Lösungen sollte schneller zu realisierende Maßnahmen als Interimslösung zusätzlich erwogen werden. Hierbei kommen in der Regel Bündel von Maßnahmen in Frage, die als Einzelmaßnahmen nur in geringen Umfang den Straßenlärm mindern können, in Kombination aber durchaus achtenswerte additive Lärmminderungseffekte aufweisen.

Lärmschutzmaßnahmen durch Fahrstreifenverlagerung

Lokale Umbaumaßnahmen mit Verlagerung und ggf. Reduktion der Fahrstreifen zur Donauseite könnten durch eine Vergrößerung des Abstandes zur Häuserzeile zur Lärmminderung beitragen.

Lärmschutzmaßnahmen durch Geschwindigkeitsbegrenzungen (Maßnahmen zur Verkehrslenkung):

Die bisherige Diskussion in den Medien zeigt, dass die niederbayerische Bevölkerung dieser Maßnahme gegenüber noch weitgehend ablehnend gegenüber steht, obwohl sie in Übereinstimmung mit den Zielen des VCD liegt und weitere positive Effekte wie Reduktion von Unfallhäufigkeit und –schwere aufweist. Als Kompromiss könnte – wegen der besonderen gesundheitsschädlichen Wirkung des Lärms auf die Anwohner zur Schlafenszeit – eine zeitlich limitierte Geschwindigkeitsbegrenzung nachts von 22:00 – 06:00 (alternativ: 19:00 – 06:00) auf 30 km/h, zonal begrenzt auf den Wohnbereich der Angerstraße, beantragt werden. Zusätzlich könnte die Geschwindigkeitsbegrenzung an Wochenenden und Feiertagen ganztags (Erholungsbedürfnis) Gültigkeit haben.

Lärmschutzmaßnahmen durch Fahrverbote – LKW Durchfahrtsverbot

Ein LKW ist im Stadtverkehr durchschnittlich doppelt so laut wie ein PKW. Eine Umleitung des LKW Verkehrs – ausgenommen des LKW Ziel- und Quellverkehrs – wie es derzeit in Passau auf Antrag der ÖDP geprüft wird, könnte ebenfalls zur Lärmreduktion beitragen. Dies gilt auch für ein LKW Nachtfahrverbot (22:00 – 06:00).

Lärmschutzmaßnahmen durch Optimierung des Verkehrsflusses: Die Verstetigung des Verkehrsflusses kann durch die koordinierte Steuerung von Ampeln („Grüne Welle“), Fahrbahnverengungen, Verschwenkungen, Mittelinseln und durch Kreisverkehr an Kreuzungen erreicht werden.

Passiver Schallschutz

Mit passivem Schallschutz durch den Einsatz von Schallschutzfenstern können bis zu 20 dB(A) Reduktion, aber nur im geschlossenen Zustand, erreicht werden.

Da auch die Lüftungsproblematik mit in Betracht gezogen werden muss, und die Lärmbelastung auch bei geöffneten Fenstern zur Raumbelüftung 40 dB(A) nicht überschreiten soll, befürwortet der Arbeitskreis „Lärm und Verkehr“ Schallschutzfenster nur in Kombination mit Maßnahmen zur adäquaten Raumbelüftung ohne zusätzliche Schadstoffbelastung. Für diese Kombinationsmaßnahme sollten städtische und staatliche Förderprogramme entwickelt und Fördermittel für die betroffenen Hauseigentümer zur Verfügung gestellt werden.

 


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