Die Geschichte der Ilzstadt

Geschichte der Ilzstadt

Die Siedlungsgeschichte am linken Ufer der Ilz beginnt zwischen 800 v. Chr. und 400 v. Chr. Die Ilzstadt wird urkundlich das erste Mal jedoch erst 1150 n. Chr. erwähnt.

Durch den regen Salzhandel mit Böhmen, der bereits seit dem 10. Jahrhundert bestand, begann die wirtschaftliche Blüte der Ilzstadt. Der Handelsweg wurde ab dem 16. Jahrhundert „Goldener Steig“ genannt.

Um den Bedürfnissen der Salzhändler gerecht zu werden entstanden viele Wirtshäuser, Unterkünfte und Stallungen; der wirtschaftliche Aufschwung begann. Es entstanden Handwerksberufe wie Hafner, Schopper (Bootsbauer), Fischer, Bäcker und Metzger.

Der Einbruch des Salzhandels (ab 1608) hat die Ilzstadt wirtschaftlich schwer getroffen und ihre Blütezeit beendet.

Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus

Erstmals 1328 urkundlich erwähnt, wurde die Kirche im 18. Jahrhundert barockisiert, jedoch später wieder zurückgebaut. Nach einer Generalsanierung 1965/66, erhielt sie ihr heutiges Erscheinungsbild durch die Renovierung im Jahr 2007.

Katastrophen

Zwischen 1400 und 1650 war die Ilzstadt von vielen Katastrophen betroffen.

Schon 1412 und 1482 ist die Ilzstadt von großen Bränden heimgesucht worden, zudem beschädigten verheerende Hochwasser 1501 und 1595 die Fahrwege und Saumpfade.

Den größten Schäden setzten aber der Ilzstadt die Hochwasser der jüngeren Vergangenheit zu. So die Hochwasser von 1954, viele Häuser in der Obernzeller Straße und Freyunger Straße standen tagelang bis zum 1. Stockwerk unter Wasser.

 

 

Der lang anhaltendem Frost im Winter 1955/56 bescherten der Ilz eine starke Eisbildung – mit dem darauffolgende Hochwasser im März 1956 entstand eine sehr ernste Bedrohung für die Ilzstadt.

Große Regenmasse waren auch für das Hochwasser 2002 verantwortlich- auch im diesem Jahr war die Ilz weit über ihre Ufer getreten. Freyunger Straße und Donauuferstraße waren abgetrennt von der Stadt.

 

 

Nach langen üppigen Regenfälle in ganz Bayern, besonders in den Oberläufen der Zuflüsse von Donau und Inn traten die Flüsse Donau , Inn und Ilz erneut über die Ufer, in einer seit 500 Jahren nicht mehr dagewesenen Dimension.

Bürger mussten ihre seit Tagen überfluteten Häuser verlassen, wurden evakuiert und in den ersten Tagen teilweise in Turnhallen untergebracht.

Durchbrüche durch den Georgsberg

Schon im 18. Jahrhundert machte man sich Gedanken um eine bessere Erreichbarkeit der Ilzstadt.

Bis 1769 war die Ilzstadt nur durch das Urfahr mit dem „Ort der Stadt Passau“ („Örtl“) verbunden.

Die vielen Pferdefuhrwerke mussten, soweit der Wasserstand dies erlaubte, durch die Ilz waten oder große Umwege flussaufwärts nutzen. So entschloss sich Fürstbischof Josef Maria Reichsgrag von Thaun-Hohenstein einen Tunnel durch den Georgsberg bauen zu lassen.

Die Arbeiten dazu begannen 1762, fertig gestellt wurde der Tunnel 1769 unter Fürstbischof Leopold Ernst Reichsfreiherr Firmian.

1809 wurde die erste Ilzbrücke gebaut, die häufig vom Hochwasser und Eisstößen weggerissen wurde, mit einem nachträglich eingebauten Steinpfeiler (1839-1842) war die ständige Hochwasser-Bedrohung gebannt.

Baubeginn des 2. Durchbruchs war 1947. 1949 wurde der Durchbruch sowie der neu gebauten oberen Ilzbrücke eingeweiht. Die untere Ilzbrücke wurde im Oktober 1974 fertig gestellt.

Haferlfest

Das 1. Haferlfest als „Ilzer Hafenfest“ abgeleitet von Hafen (Tonkrug) fand bereits im September 1887 statt.

Ins Leben gerufen wurde das Hafenfest von dem bekannten Historienmaler Ferdinand Wagner, der sich um die Stadt Passau durch sein Decken- und Wandgemälde in den Rathaussälen sowie die Wandfresken des Ratskellers verdient gemacht hatte, und seinem Freund Anton Niederleuthner.

Das Handwerk der „Hafner“ war noch bis ins 20. Jahrhundert aktiv, allerdings nicht mehr als Ton-Geschirr-Hersteller, sondern nur noch mit Reparaturaufgaben von Kachelöfen und Küchenherden beauftragt.

Apotheke

Bereits 1872 bekam die Ilzstadt eine Apotheke, die jedoch schon vier Jahre später wieder verwaist war. Nach 75 Jahren, 1952, gründete der Apotheker Franz Storch die „Salvator Apotheke“, die bis 2014 unter diesem Namen firmierte und vom Nachfolger Bernhard Storch und seiner Frau Sigrid geleitet wurde.

Hochwassersanierung

Seit dem 15. Jahrhundert wurde die Ilzstadt zwar von keinem Brand mehr heimgesucht, dafür aber mehrfach von großen Hochwassern (1501 und 1595). Nach den großen Überschwemmungen von 1954 und 1956 dachte man über eine Generalsanierung der Ilzstadt-Bebauung nach.

Die große Sanierung fand 1963-1974statt, 60 Häuser wurden abgerissen, die Bewohner nach Grubweg umgesiedelt. Einige ehemalige Ilzer haben sich ein hochwasserfreies Gelände für ihre Zukunft ausgewählt. Das ehemals idyllische Fischerdorf Ilzstadt verlor, durch die aus heutiger Sicht, missglückte Sanierung, seinen Charme.

Verkehrsprobleme

Durch die Prosperität der Gemeinden Grubweg und Salzweg nahm der tägliche Durchgangsverkehr in der Freyunger Straße und der Donaustraße enorm schnell zu.

Die Grenzöffnung zu Tschechien bescherte den Ilzstädtern einen sehr starken Zuwachs an LKW und PKW, der mit einer immensen Lärm- und Abgasbelastung verbunden ist.

Aufgrund dieser nicht haltbaren, gesundheitsschädlichen Verkehrssituation haben sich die Bürger der Ilzstadt zu einer Initiative zusammengeschlossen, die das Ziel verfolgt, den Durchgangsverkehr durch den Bau des sogenannten „Georgsbergtunnels“ zu leiten.

Mehr Infos finden Sie unter dem Punkt Hochwasserschutz & Verkehr.

 

Quellen:
Verfügbar: Heinz Kellermann, Abgerissen, aber nicht vergessen - Hochwasserfreilegung der "druntern" Ilzstadt von 1960-1976, Klinger-Verlag Passau 2014 (im Buchhandel 24,90 €).
Vergriffen: Heinz Kellermann, Die Geschichte der Ilzstadt, Schriftenreihe des Stadtarchiv Passau "Der Passauer Wolf" - Veröffentlichungen zur Kulturgeschichte Passaus, herausgegeben von Max Brunner und Richard Schaffner, Band 17, Passau 2002.